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Sonntag, 6. april 2008
So gern ihr euren besten Freund oder eure liebste Freundin auch habt, in manchen Momenten findet ihr sie oder ihn einfach unmöglich? Ständig schmatzt er oder sie beim Essen, redet dazwischen oder behandelt eure anderen Freunde wie Luft? Streit- und Nervpunkte gibt es nicht nur in jeder guten Freundschaft, sondern auch in der Familie, im Sportverein oder in der Schule.

Zwar ist es nicht immer nötig, alles gleich anzusprechen, doch wer ein dauerhaftes Problem mit einer Person hat, kommt um ein klärendes Gespräch nicht herum. Wie ihr es schafft, Kritik fair zu äußern, ohne andere zu verletzen, weiß die Techniker Krankenkasse.

Nicht "bunkern"
Seit Wochen kommt Lisas Freundin Tine zu jeder Verabredung zu spät. Da sie nicht als spießige Spielverderberin dastehen will, schluckt Lisa ihren Ärger jedes Mal herunter und sagt nichts. Doch als sie an diesem Freitag sogar die Kinovorstellung wegen Tines Unpünktlichkeit verpassen, platzt ihr der Kragen: "Weißt du was, wenn du es noch nicht einmal nötig hast, rechtzeitig zu unseren Verabredungen zu kommen, kannst du mir in Zukunft ganz gestohlen bleiben!"

Da sich Lisa bereits seit Wochen über Tine ärgert, ist sie in ihrer Wut viel zu hart zu ihr. Eigentlich wollte sie ihr ja nur sagen, dass sie sich durch Tines Verhalten verletzt fühlt, und nicht gleich die ganze Freundschaft kündigen. Um zu verhindern, dass sich negative Gefühle aufstauen, solltet ihr Probleme so schnell wie möglich offen ansprechen. Meist lassen sie sich so viel leichter aus der Welt schaffen, ohne dass sie zu einer "existenziellen" Bedrohung für eine Freundschaft werden.

Sachlich bleiben
Flo ärgert sich über seinen Kumpel Mark, der sich oft Computerspiele von ihm ausleiht, ohne sie ihm anschließend wieder zurückzugeben. Als Mark ihn nun um seine neueste Errungenschaft bittet, motzt Flo los: "Du verstehst die meisten Spiele doch sowieso nicht und außerdem bist du immer total verbissen und schlecht drauf, wenn du mal verlierst."

Anstatt Mark zu erklären, dass er lange für seine Spiele gespart hat und sie gerne wieder hätte, versucht Flo, seinen Freund auch zu verärgern. Leider haben die Dinge, die er anspricht, überhaupt nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun. Für Mark wird es so ziemlich schwer, seinen Fehler zuzugeben, da er das Gefühl hat, sich verteidigen zu müssen. Um ihm eine Chance zu geben sein Gesicht zu wahren, sollte Flo sachlich ansprechen, was ihn ärgert, und nicht auf Nebenschauplätze ausweichen.

Konkrete Ich-Botschaften
Nina und ihr Freund Jan sind bei ihrer besten Freundin eingeladen. Während Nina sich bemüht die beiden miteinander ins Gespräch zu bringen, sagt Jan den ganzen Abend kaum ein Wort und zieht ein missmutiges Gesicht. Nina ist enttäuscht, weil sie sich auf diesen Abend sehr gefreut hatte. Als die beiden nach Hause gehen, platzt es aus ihr heraus: "Ständig vermiest Du anderen die Laune und gibst dir nie Mühe, auch einmal meine Freunde kennen zu lernen. Außerdem verbreitest du sowieso seit Tagen schlechte Stimmung und hast immer etwas zu meckern."

Allgemeine Formulierungen wie "ständig", "nie" oder "immer" wecken beim Gegenüber leider schnell den Eindruck, es dem anderen ohnehin nicht recht machen zu können. Solche pauschalen Vorwürfe rufen oft eher eine trotzige Reaktion hervor, da sie sich scheinbar gegen die Persönlichkeit richten und nicht gegen ein konkretes Verhalten. Anstatt "Ständig vermiest Du mir die Laune" wäre es geschickter von Nina, Jan zu erklären, wie sie sich im Verlaufe des Abends gefühlt hat. Dabei ist es wichtig, die eigenen Gefühle zu formulieren. "Es hat mich ziemlich traurig gemacht, dass Du heute so wenig gesagt hat, da ich gehofft hatte, ihr lernt euch etwas besser kennen" wäre für Jan vermutlich wesentlich verständlicher.

Nicht alles ist schlecht
Moritz und Karla besuchen gemeinsam die Trommel-AG und sind schon seit Jahren miteinander befreundet. In letzter Zeit fällt Moritz öfter auf, dass Karla sich gerne in den Mittelpunkt spielt und kaum noch zuhört, wenn es um seine Probleme geht. Als sie nachmittags beim Trommeln wieder einmal bestimmen will, pflaumt er sie vor versammelter Mannschaft an: "Sag mal, merkst du eigentlich gar nicht, dass wir total genervt von dir sind? Es geht schließlich nicht immer um dich!"

Kritik einzustecken ist für jeden schwer. Wer aber noch vor den Augen Dritter angegriffen wird, hat doppelt zu kämpfen. Um Karla nicht vor allen bloßzustellen, hätte Moritz lieber eine ruhige Minute abwarten und mit ihr unter vier Augen sprechen sollen. Um ein solches Gespräch etwas zu entschärfen, hilft es, Verständnis oder sogar Lob zu äußern, damit der oder die Kritisierte nicht sofort das Gefühl hat, sich verteidigen zu müssen.

Moritz´ Kritik hätte dann beispielsweise so klingen können: "Ich mag es an Dir, dass Du immer mit ganzem Herzen bei einer Sache bist. In der Trommel-AG habe ich allerdings den Eindruck, dass du unser Ziel etwas aus den Augen verlierst. Außerdem würde ich mit dir gerne einmal wieder über meine Probleme sprechen, mir fehlt dein Rat."

von Jane veröffentlicht in: Sonstiges
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